DIESE WOCHE Zu Beginn des letzten Quartals in 2012 befinden sich die Aktienbörsen in Europa und den USA am Scheideweg: Sehen wir nach der Mini-Korrektur eine neue Welle der Euphorie, die die Börsenindizes bis zum Jahresende auf neue All-Time-Highs führt oder kehrt -zumindest ansatzweise- Vernunft an die Märkte zurück?
Szenario 1, d.h. der Aufwärtstrend setzt sich auf neue All-Time-Highs
im DAX fort, bleibt vor dem Hintergrund makroökonmischer
Unsicherheit und schwindender Unternehmensgewinne ein Szenario des
Irrsinns - es bleibt aber trotzdem möglich.
Szenario 2, d.h. die Rückkehr der Vernunft, könnte durch die Flut anstehender US-Konjunkturdaten begünstigt werden. Sollte sich bei den US-Makronews der kommenden Woche, endend mit den Payrolls-Daten vom US-Arbeitsmarkt am Freitag, der negative Trend fortsetzen, so wage ich zu bezweifeln, ob die Märkte dies erneut verdrängen können. Aber: Das ist die letzte Chance für Bären in 2012! Bereits letzte Woche hatte ich darauf verwiesen, daß sich das Zeitfenster für eine Korrektur im DAX auf nur noch wenige Wochen beschränkt. Aus jetziger Sicht würde ich noch weiter gehen: Sollte der DAX eine neue Welle nach oben reiten und die Jahreshochs erneut überwinden, so sähe ich den frühesten Termin für eine nachhaltige Marktkorrektur (bzw. dann eher ein Blutbad!) in 4-6 Monaten. Für Short positionierte Trader gilt also: Jetzt oder Nie! Auffällig: An den Renten- und Devisenmärkten ist die Rückkehr zu risikoaversen Verhaltensmustern bereits deutlich spürbarer erkennbar als an den Aktienmärkten.
MEINE STRATEGIE Vielleicht laufe ich in eine Falle, aber ich komme noch einmal aus der Reserve: Neben meinen Anfang September aufgebauten, gemäßigten Shorts (Stillhalterpositionen in DAX-Calls Laufzeit Dezember), habe ich mein Buch in der letzten Woche um zahlreiche Positionen aggressiv erhöht: Short-Future-Positionen in FDAX, FESX, S&P sowie Nasdaq Minis, ausserdem -für mich untypische- Short-Positionen in ausgewählten Einzelwerten, insbesondere Apple. Eine Position diesen Ausmaßes hatte ich zuletzt Ende Februar bis Mitte März.
Ich setze auf eine Parallele zum Muster im Quartalswechsel März/April diesen Jahres. So wie im September markierte der DAX bereits im März ein lokales Zwischenhoch am Tag seines Future-Expiry - um von dort über mehrere Wochen Teile seiner Gewinne zu korrigieren. Mein erstes Kursziel im FDAX ist die Unterseite der Seitwärts-Range von August um 6.900 Punkte - dazu benötigt es keine Trendumkehr sondern lediglich eine Relativierung des übergeordneten Aufwärtstrends.
Dieser Blog gibt zu Beginn der Handelswoche einen "Insider"-Ausblick auf den Handelsverlauf des Deutschen Aktienindex (DAX). Der Autor ist seit 15 Jahren im Eigenhandel (Schwerpunkt Index-Derivate) für HedgeFunds und Handelshäuser tätig. Unter "Diese Woche" legt er dar welche Aspekte professionelle Trader in der anstehenden Börsenwoche im Focus haben. Unter "Meine Strategie" gibt der Autor Einblick in sein Handelsbuch. Wöchentliches Update bis spätestens Montag 10:00 Uhr.
Samstag, 29. September 2012
Sonntag, 23. September 2012
24. bis 28. September
DIESE WOCHE Meine Meinung über die aktuelle Entwicklung im DAX bzw. an den Finanzmärkten hat sich gegenüber den Vorwochen nicht verändert. Warum auch??? Ich werde allerdings etwas müde, Woche für Woche darüber zu schreiben, warum das, was wir aktuell an den Börsen sehen nichts mit der öknomischen Realität zu tun hat. Die Geschichte zeigt uns, daß sich Vermögenswerte generell und Aktien im Besonderen bereits des öfteren über einen langen Zeitraum hinweg von fundamental begründeten Bewertungen entfernen konnten - um dann letztlich wieder genau dorthin zurückzukehren. Das Problem: Je exzessiver die Übertreibung, desto schmerzhafter ist der Weg zurück in die Spur! Realwirtschaftliche Folgen inbegriffen.
Damit mich niemand falsch versteht: Noch sind wir von exzessiven Fehlbewertungen weit entfernt, aber vieles deutet darauf hin, daß die Reise weiter in die falsche Richtung gehen wird. So wird das Zeitfenster für das Börsenjahr 2012, zu dem noch einmal Vernunft an den Finanzmärkten einkehren könnte, von Tag zu Tag kleiner. Nach meiner Einschätzung beschränkt es sich auf die jetzt anstehenden 5-6 Wochen. Sollte es dem DAX gelingen, diesen Zeitraum schad- bzw. korrekturlos zu überstehen, scheint mir eine Jahresendralley bzw. ein Börsenstart 2013 über den All-Time-Highs unausweichlich - exzessive Fehlbewertungen wären vor dem Hintergrund schwächelnder Unternehmsgewinne dann mit Sicherheit gegeben.
MEINE STRATEGIE Wie gesagt: Das Zeitfenster für Bären schliesst sich für 2012. Für meine Alternativ-Szenarien der letzten Wochen bedeutet das, daß mit jedem weiteren Tag der Liquiditäts-Hausse die Wahrscheinlichkeit eines Rückschlags kleiner wird. Hält die Euphorie bis Anfang November an, so sind die DAX-Bullen für mindestens 2 weitere Monate auf der sicheren Seite und vielleicht werde sogar ich dann auf den Zug nach oben aufspringen. Bis dahin halte ich mich aber noch an die Faktenlage und die sagt klar und deutlich: SHORT DAX !!
Damit mich niemand falsch versteht: Noch sind wir von exzessiven Fehlbewertungen weit entfernt, aber vieles deutet darauf hin, daß die Reise weiter in die falsche Richtung gehen wird. So wird das Zeitfenster für das Börsenjahr 2012, zu dem noch einmal Vernunft an den Finanzmärkten einkehren könnte, von Tag zu Tag kleiner. Nach meiner Einschätzung beschränkt es sich auf die jetzt anstehenden 5-6 Wochen. Sollte es dem DAX gelingen, diesen Zeitraum schad- bzw. korrekturlos zu überstehen, scheint mir eine Jahresendralley bzw. ein Börsenstart 2013 über den All-Time-Highs unausweichlich - exzessive Fehlbewertungen wären vor dem Hintergrund schwächelnder Unternehmsgewinne dann mit Sicherheit gegeben.
MEINE STRATEGIE Wie gesagt: Das Zeitfenster für Bären schliesst sich für 2012. Für meine Alternativ-Szenarien der letzten Wochen bedeutet das, daß mit jedem weiteren Tag der Liquiditäts-Hausse die Wahrscheinlichkeit eines Rückschlags kleiner wird. Hält die Euphorie bis Anfang November an, so sind die DAX-Bullen für mindestens 2 weitere Monate auf der sicheren Seite und vielleicht werde sogar ich dann auf den Zug nach oben aufspringen. Bis dahin halte ich mich aber noch an die Faktenlage und die sagt klar und deutlich: SHORT DAX !!
Donnerstag, 13. September 2012
17. bis 21. September
Update diese Woche bereits am Donnerstag!
DIESE WOCHE Und täglich grüßt das Murmeltier. Nach Draghi in der Vorwoche hat auch Bernanke in dieser Woche geliefert und treibt die Aktienmärkte damit weiter mit Vollgas in die Hausse. Die Aussicht auf unlimitiert frische Liquidität läßt den Blick auf die ökonomischen Fakten in den Hintergrund treten. Der DowJones notiert zum ersten mal seit 5 Jahren wieder stabil weit über 13K und hat sich damit in den letzten 3 Jahren nahezu verdoppelt - das All-Time-High ist greifbar! Zwar lahmt die US-Konjunktur und die Profite der US-Unternehmen schwinden bedenklich - aber die Aktienkurse steigen.
Ähnliches Bild in Europa. Die strukturellen Probleme bleiben schwerwiegend, dennoch erleben die von Liquidität gefluteten Kapitalmärkte eine Rennaissance der Risikobereitschaft. Ein Beispiel: Die Renditen 10jähriger spanischer Anleihen fallen binnen eines guten Monats um sensationelle 2 Prozentpunkte. Dabei befindet sich Spanien (leider!) offensichtlich mehr in der Krise als je zuvor: Immobilienmarkt und Konjunktur sind völlig am Boden, die Banken bleiben ein Pulverfaß mit kürzer werdender Zündschnur und das soziale Gefüge droht angesichts der unkontrollierbar ansteigenden Arbeitslosigkeit zu kippen. Dennoch sind die Investoren bereit deutlich niedrigere Risikoaufschläge zu akzeptieren. Dieses Beispiel zeigt: Sowie am Aktienmarkt entkoppeln sich auch in anderen Finanzmarktsegmenten die Bewertungen von der ökonomischen Realität. Meine Begründung: Die Zentralbanken positionieren sich marktübergreiffend als Risiko-Nehmer. Das Draghi-Spiel funktioniert scheinbar! Aber: Es bleibt ein Spiel mit offenem Ausgang!
Auffällig: Trotz der euphorischen Nachfrage nach Risiko-Assets verharren die Notierungen vermeintlich risikoaverser Investments auf sehr hohem Niveau. Der Bund-Future stabilisiert sich wieder über 140; Edelmetalle und Rohstoffe scheinen wieder in ihren Aufwärtstrend zurückzufinden. Das sind klassische Merkmale einer Asset Price Inflation: Letztlich steigt irgendwie alles! Historisch gültige Korrelationen sind ausser Kraft gesetzt!
MEINE STRATEGIE Zum wiederholten mal habe ich den DAX in diesem Jahr unterschätzt. Den Ausbruch aus der August-Range nach oben und den Test der Jahreshochs vom März hatte ich als mögliches Szenario auf dem Schirm. Daß wir uns aber stabil über 7.300 Punkten ohne Gegenbewegung festsetzen können hätte ich vor 2 Wochen nicht für möglich und vor 6 Wochen vermutlich eine Wette mit hohem Einsatz dagegen gehalten. Dennoch kann (und wird) meine empfohlene Short-Call-Position mit einem nachhaltigen Korrekturtag wieder ihren Break-Even erreichen.
Meine -dem aktuellen Stadium der Asset Price Inflation angepaßten- Szenarien im Überblick:
Szenario 1: Das Aufwärtsmomentum hält in dieser Form an. Der DAX nimmt in 2012 sein All-Time-High in Angriff. 35 %.
Szenario 2: Der Markt entwickelt in den nächsten Wochen NormalisierungsTendenzen. DAX retestet den Bereich 6.800-7K. Im Anschluß Jahresendralley Richtung 7.500 möglich. 40 %.
Szenario 3: Der DAX dreht im letzten Quartal nach Süden. Die ZentralbankInterventionen verpuffen bereits im frühen Stadium. Kurse um 6.500 bis Anfang November. 25 %.
Freitag, 7. September 2012
10. bis 14. September
DIESE WOCHE Mario Draghi hat geliefert. Die EZB steht in den kommenden Monaten bereit unlimitiert über den Sekundärmarkt Anleihen europäischer Staaten zu kaufen. Um in den Genuß dieser `outright monetary transactions` zu kommen, müßen sich die Hilfe suchenden Länder allerdings zunächst unter den Rettungsschirm von EFSF oder ESM begeben - und die damit verbundenen Konditionen erfüllen - immerhin. Ob die EZB im Ernstfall auf der Erfüllung der Reformbedingungen bestehen wird, wage ich mit Rückblick auf Italien 2011 wiederum stark anzuzweifeln.
Meine grundsätzliche Kritik an der Intervention bleibt: Die EZB vernachläßigt langfristige Auswirkungen ihrer expansiven Strategie, sie schafft durch ihre Intervention falsche Anreize indem sie schlechte Haushaltspolitik subventioniert (Moral Hazard) und sie überschreitet ihre Befugnisse massiv. Ein Statement Draghis in seiner PK von gestern belegt die fatale Fehleinschätzung seines eigenen Mandats: "Der Euro ist unumkehrbar" - Ein solches Statement gebührt gewählten Volksvertretern. Herr Draghi ist dazu von keinem Europäer jemals demokratisch legitimiert worden.
Die Reaktion der Weltbörsen ist trotz der leichten Konditionierung des Hilfsprogramms euphorisch. Der DAX markiert neue Jahreshochs, die Kursniveaus amerikanischer Aktien orientieren sich bereits wieder an Levels vor Ausbruch der Finanzkrise 2008. Schwächelnde US-Unternehmensergebnisse sowie die weiter abflauende US-Konjunktur (die US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag enttäuschen erneut) werden von den Anlegern konsequent ignoriert. Spiegelbildliche Entwicklung an den Anleihemärkten: Der BUND-Future rutscht im Dezember-Kontrakt zwischenzeitlich unter 140 Punkte, italienische und spanische Anleihen schiessen nach oben - Risikoaversion war gestern. Draghi und die Befürworter des EZB-Hilfsprogramms betonen immer wieder, daß in naher Zukunft keine Inflation zu befürchten sei - ein Blick auf die globalen Kapitalmärkte zeigt hingegen eine offenkundige Abkoppelung zahlreicher Asset-Preise von ihrem fundamentalen Umfeld. Mit anderen Worten: Die Asset-Price-Inflation ist bereits in vollem Gange!
Die Nachhaltigkeit der Börsen-Euphorie steht in den kommenden zwei Wochen auf dem Prüfstand: Bereits am kommenden Mittwoch können die FED und/oder das Bundesverfassungsgericht in beide Richtungen neue Impulse setzen. Sollten beide Institutionen das Aufwärtsmomentum weiter befeuern, ist dem DAX bis zum Jahresende ein Angriff auf All-Time-Highs zuzutrauen.
MEINE STRATEGIE Eine Spätsommer-/ Jahresendralley im DAX auf Levels weit über 8K ist tatsächlich in den Bereich des Möglichen gerückt. Dennoch halte ich sie für ein wenig wahrscheinliches Szenario. Letzte Woche wurde von mir der sukzessive Aufbau einer Short-Position in DAX-Calls empfohlen. Angesichts der aktuellen Entwicklung die falsche, aber -je nach Einstiegszeitpunkt- keine aussichtslose Position. Da ich bereits bis Mitte der kommenden Woche mit einer Korrektur wenigstens auf das Ausbruchsniveau um die 7.100 rechne, empfehle ich einfach cool zu bleiben!
Meine grundsätzliche Kritik an der Intervention bleibt: Die EZB vernachläßigt langfristige Auswirkungen ihrer expansiven Strategie, sie schafft durch ihre Intervention falsche Anreize indem sie schlechte Haushaltspolitik subventioniert (Moral Hazard) und sie überschreitet ihre Befugnisse massiv. Ein Statement Draghis in seiner PK von gestern belegt die fatale Fehleinschätzung seines eigenen Mandats: "Der Euro ist unumkehrbar" - Ein solches Statement gebührt gewählten Volksvertretern. Herr Draghi ist dazu von keinem Europäer jemals demokratisch legitimiert worden.
Die Reaktion der Weltbörsen ist trotz der leichten Konditionierung des Hilfsprogramms euphorisch. Der DAX markiert neue Jahreshochs, die Kursniveaus amerikanischer Aktien orientieren sich bereits wieder an Levels vor Ausbruch der Finanzkrise 2008. Schwächelnde US-Unternehmensergebnisse sowie die weiter abflauende US-Konjunktur (die US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag enttäuschen erneut) werden von den Anlegern konsequent ignoriert. Spiegelbildliche Entwicklung an den Anleihemärkten: Der BUND-Future rutscht im Dezember-Kontrakt zwischenzeitlich unter 140 Punkte, italienische und spanische Anleihen schiessen nach oben - Risikoaversion war gestern. Draghi und die Befürworter des EZB-Hilfsprogramms betonen immer wieder, daß in naher Zukunft keine Inflation zu befürchten sei - ein Blick auf die globalen Kapitalmärkte zeigt hingegen eine offenkundige Abkoppelung zahlreicher Asset-Preise von ihrem fundamentalen Umfeld. Mit anderen Worten: Die Asset-Price-Inflation ist bereits in vollem Gange!
Die Nachhaltigkeit der Börsen-Euphorie steht in den kommenden zwei Wochen auf dem Prüfstand: Bereits am kommenden Mittwoch können die FED und/oder das Bundesverfassungsgericht in beide Richtungen neue Impulse setzen. Sollten beide Institutionen das Aufwärtsmomentum weiter befeuern, ist dem DAX bis zum Jahresende ein Angriff auf All-Time-Highs zuzutrauen.
MEINE STRATEGIE Eine Spätsommer-/ Jahresendralley im DAX auf Levels weit über 8K ist tatsächlich in den Bereich des Möglichen gerückt. Dennoch halte ich sie für ein wenig wahrscheinliches Szenario. Letzte Woche wurde von mir der sukzessive Aufbau einer Short-Position in DAX-Calls empfohlen. Angesichts der aktuellen Entwicklung die falsche, aber -je nach Einstiegszeitpunkt- keine aussichtslose Position. Da ich bereits bis Mitte der kommenden Woche mit einer Korrektur wenigstens auf das Ausbruchsniveau um die 7.100 rechne, empfehle ich einfach cool zu bleiben!
Samstag, 1. September 2012
03. bis 07. September
DIESE WOCHE Der DAX pendelt die 4e Woche infolge orientierungslos um die Marke von 7K Punkten. Über 7.100 scheinen auch die größten Optimisten kalte Füße zu bekommen - unter 6.900 wird der Markt seit Anfang August von Käufen gestützt. Innerhalb der engen Range wechselt das Momentum intraday bisweilen sehr aggressiv, letztlich bleibt aber die Patt-Konstellation bestehen - Optionen und Warrants verlieren kontinuierlich an Zeitwert.
Das fundamentale Umfeld für Aktien bleibt dabei weiter angespannt: Die Konjunktur in den USA lahmt, trotzdem sieht sich die FED im Moment nicht in der Lage konjunkturstützend zu intervenieren. Die Rede Bernankes in Jackson Hole bekräftigt zwar die grundsätzliche Bereitschaft zu QE3, die aktuelle Erholung am US-Immobilienmarkt sowie -Ironie des Schicksals- die Hausse der US-Börsen machen es der US-Notenbank aber unmöglich den Kapitalmärkten JETZT frische Liquidität zuzuführen ohne eine Überhitzung zu riskieren. Vor diesem Hintregrund gewinnen die am Freitag anstehenden Payrolls-Daten zusätzliche Bedeutung. Sie dokumentieren nicht nur den Status Quo am US-Arbeitsmarkt sondern geben auch indirekt einen Hinweis über die Dringlichkeit neuer geldpolitischer Maßnahmen in den USA. Glaubt man den Berechnungen der Volkswirte von Goldman Sachs, ist die Effektivität solcher Maßnahmen nur marginal: Demnach brächte ein neues Anleihekaufprogramm von 500Mrd.USD der US-Wirtschaft 0.2 Prozentpunkte mehr Wirtschaftswachstum jährlich und die Arbeitslosenrate könnte um 0.1 Prozent reduziert werden - angesichts dieses geringen Hebels ist die Zurückhaltung der FED mehr als verständlich.
Ganz anderes Bild in Europa: Hier sieht sich die Notenbank neuerdings vor die Aufgabe gestellt, die Strukturprobleme der Euro-Peripherie im Alleingang zu lösen - ein ambitioniertes Vorhaben, das uns am kommenden Donnerstag in seinen Details präsentiert werden soll. Angesichts der jüngsten Inflationsdaten aus Deutschland bleibt zu hoffen, daß die EZB über diese schwere Aufgabe hinaus ihren vertraglich festgeschriebenen Auftrag der Preisstabilität nicht völlig aus den Augen verliert.
MEINE STRATEGIE Mein Szenario 3 der letzten Woche -der DAX kippt gen Süden- wird von mir gegenüber den Alternativ-Szenarien aktuell leicht favorisiert. Der DAX scheint sein Aufwärtsmomentum verloren zu haben. Darum empfehle ich den sukzessiven Aufbau von Short-Positionen in DAX Calls Laufzeit Oktober und Dezember, Basis 7K-7.300.
ABER: Die Reaktion der Märkte auf die anstehende EZB-Sitzung am Donnerstag bleibt schwer abschätzbar und eine gefährliche Komponente. Vor einem Monat enttäuschte Draghi die Märkte zu diesem Termin auf ganzer Linie, folgerichtig schmierte der DAX um über 300 Punkte ab um dann doch am Folgetag wieder 350 Punkte zu steigen. Darum auch meine Empfehlung eines "sukzessiven" Aufbaus der Call-Short-Position - der individuellen Risikoneigung entsprechend. Wer auf Nummer sicher gehen will, bleibt bis zum Ende der Woche unpositioniert, läuft aber Gefahr dann nur noch einen Bruchteil der aktuell gepreisten Optionsprämien einzustreichen.
Das fundamentale Umfeld für Aktien bleibt dabei weiter angespannt: Die Konjunktur in den USA lahmt, trotzdem sieht sich die FED im Moment nicht in der Lage konjunkturstützend zu intervenieren. Die Rede Bernankes in Jackson Hole bekräftigt zwar die grundsätzliche Bereitschaft zu QE3, die aktuelle Erholung am US-Immobilienmarkt sowie -Ironie des Schicksals- die Hausse der US-Börsen machen es der US-Notenbank aber unmöglich den Kapitalmärkten JETZT frische Liquidität zuzuführen ohne eine Überhitzung zu riskieren. Vor diesem Hintregrund gewinnen die am Freitag anstehenden Payrolls-Daten zusätzliche Bedeutung. Sie dokumentieren nicht nur den Status Quo am US-Arbeitsmarkt sondern geben auch indirekt einen Hinweis über die Dringlichkeit neuer geldpolitischer Maßnahmen in den USA. Glaubt man den Berechnungen der Volkswirte von Goldman Sachs, ist die Effektivität solcher Maßnahmen nur marginal: Demnach brächte ein neues Anleihekaufprogramm von 500Mrd.USD der US-Wirtschaft 0.2 Prozentpunkte mehr Wirtschaftswachstum jährlich und die Arbeitslosenrate könnte um 0.1 Prozent reduziert werden - angesichts dieses geringen Hebels ist die Zurückhaltung der FED mehr als verständlich.
Ganz anderes Bild in Europa: Hier sieht sich die Notenbank neuerdings vor die Aufgabe gestellt, die Strukturprobleme der Euro-Peripherie im Alleingang zu lösen - ein ambitioniertes Vorhaben, das uns am kommenden Donnerstag in seinen Details präsentiert werden soll. Angesichts der jüngsten Inflationsdaten aus Deutschland bleibt zu hoffen, daß die EZB über diese schwere Aufgabe hinaus ihren vertraglich festgeschriebenen Auftrag der Preisstabilität nicht völlig aus den Augen verliert.
MEINE STRATEGIE Mein Szenario 3 der letzten Woche -der DAX kippt gen Süden- wird von mir gegenüber den Alternativ-Szenarien aktuell leicht favorisiert. Der DAX scheint sein Aufwärtsmomentum verloren zu haben. Darum empfehle ich den sukzessiven Aufbau von Short-Positionen in DAX Calls Laufzeit Oktober und Dezember, Basis 7K-7.300.
ABER: Die Reaktion der Märkte auf die anstehende EZB-Sitzung am Donnerstag bleibt schwer abschätzbar und eine gefährliche Komponente. Vor einem Monat enttäuschte Draghi die Märkte zu diesem Termin auf ganzer Linie, folgerichtig schmierte der DAX um über 300 Punkte ab um dann doch am Folgetag wieder 350 Punkte zu steigen. Darum auch meine Empfehlung eines "sukzessiven" Aufbaus der Call-Short-Position - der individuellen Risikoneigung entsprechend. Wer auf Nummer sicher gehen will, bleibt bis zum Ende der Woche unpositioniert, läuft aber Gefahr dann nur noch einen Bruchteil der aktuell gepreisten Optionsprämien einzustreichen.
Samstag, 25. August 2012
27. bis 31. August
DIESE WOCHE Die Aktienmärkte weltweit bleiben ausschließlich auf die Möglichkeit geldpolitischer Interventionen fokussiert. Alles andere ist im Moment nebensächlich! Die Erfahrung der Märkte aus der Vergangenheit ist, daß infolge massiver Liquiditätsspritzen die Kurse vieler Assets, insbesondere Aktien, nachhaltig ansteigen. Diese Hoffnung läßt Unternehmensnachrichten und Makro-News in den Hintergrund treten. So zählt aktuell nur eine Frage: Wann, in welcher Form und in welchem Umfang wird frisches Geld in den Markt gepumpt?
Die vorsichtige Interpretation des letzten Sitzungsprotokolls der FED leitete folgerichtig nach euphorischem Wochenstart eine kleine Korrekturphase der Aktienindizes ein - der DAX-Future schwächelte von über 7.100 auf ein Tief von 6.885 Punkten. Zweihundert Punkte Korrektur, von denen 100 Punkte am Freitag nachmittag wieder ausgebügelt wurden (natürlich aufgrund neuer EZB-Gerüchte über geplante Zinsbänder italienischer und spanischer Anleihen) - immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer für Realisten: Der Markt kann noch fallen!
Meine Befürchtung: Auch in den anstehenden Wochen wird die Kaffesatzleserei diverser Notenbank-Statements über die Richtung an den Aktienmärkten entscheiden. Die vage Aussicht auf frisches Geld in großen Mengen beflügelt die Märkte dieser Tage. Es werden Best-Case Szenarien gespielt. Konkrete Maßnahmen können diese Euphorie nur eintrüben. Solange diese Konstellation gegeben ist, sollten und werden die Notenbanken ihren vagen Ankündigungen keine konkreten Taten folgen lassen - warum auch? ABER: Der Kursverlauf der letzten Woche könnte ein Hinweis darauf sein, daß sich die MarktPsychologie bereits leicht verändert - immer mehr Investoren sind es scheinbar leid, von der Geldpolitik im Ungewißen gelassen zu werden.
MEINE STRATEGIE Auf die Zwischenhochs vom Dienstag (FDAX bei 7.108, US-Indizes auf 4-Jahrsehochs) folgt die Mini-Korrektur - wie ist diese einzuordnen?
Meine Szenarien mit Wahrscheinlichkeiten im Überblick:
(1) Die Korrektur ist weitgehend abgeschloßen. U.u. sehen wir ab Mittwoch bereits wieder neue Verlaufshochs im DAX. Das Zwischentief von 6.885 sollte in diesem Szenario nicht mehr unterschritten werden. 45 %
(2) Die Korrektur läuft mittelfristig weiter. Der DAX fällt zwischenzeitlich in den Bereich der Juli-Hochs bei 6.700 - 6.800 Punkten um dann erneut über 7K anzusteigen. 10 %.
(3) Der Markt dreht - das Abwärts-Momentum wird aggressiver, wir sehen in diesem Herbst DAX-Kurse unter 6K. 45 %.
FAZIT: ENTWEDER, ODER! Wie bereits in den letzten Posts von mir beschrieben, trägt sich der Markt im Moment selber. Zwingende Bedingung für weiter steigende Kurse sind eben stabil steigende Kurse. In dieser auf Sand gebauten Konstruktion sind Korrekturen über mehrere Tage nach meiner Einschätzung nicht möglich. Darum müssen die Aktienindizes wieder zügig in die Spur finden (wie Freitag nachmittag angedeutet), ansonsten droht der Markt zu kippen - schließlich trägt der Kaiser doch gar keine neuen Kleider!
Die vorsichtige Interpretation des letzten Sitzungsprotokolls der FED leitete folgerichtig nach euphorischem Wochenstart eine kleine Korrekturphase der Aktienindizes ein - der DAX-Future schwächelte von über 7.100 auf ein Tief von 6.885 Punkten. Zweihundert Punkte Korrektur, von denen 100 Punkte am Freitag nachmittag wieder ausgebügelt wurden (natürlich aufgrund neuer EZB-Gerüchte über geplante Zinsbänder italienischer und spanischer Anleihen) - immerhin ein kleiner Hoffnungsschimmer für Realisten: Der Markt kann noch fallen!
Meine Befürchtung: Auch in den anstehenden Wochen wird die Kaffesatzleserei diverser Notenbank-Statements über die Richtung an den Aktienmärkten entscheiden. Die vage Aussicht auf frisches Geld in großen Mengen beflügelt die Märkte dieser Tage. Es werden Best-Case Szenarien gespielt. Konkrete Maßnahmen können diese Euphorie nur eintrüben. Solange diese Konstellation gegeben ist, sollten und werden die Notenbanken ihren vagen Ankündigungen keine konkreten Taten folgen lassen - warum auch? ABER: Der Kursverlauf der letzten Woche könnte ein Hinweis darauf sein, daß sich die MarktPsychologie bereits leicht verändert - immer mehr Investoren sind es scheinbar leid, von der Geldpolitik im Ungewißen gelassen zu werden.
MEINE STRATEGIE Auf die Zwischenhochs vom Dienstag (FDAX bei 7.108, US-Indizes auf 4-Jahrsehochs) folgt die Mini-Korrektur - wie ist diese einzuordnen?
Meine Szenarien mit Wahrscheinlichkeiten im Überblick:
(1) Die Korrektur ist weitgehend abgeschloßen. U.u. sehen wir ab Mittwoch bereits wieder neue Verlaufshochs im DAX. Das Zwischentief von 6.885 sollte in diesem Szenario nicht mehr unterschritten werden. 45 %
(2) Die Korrektur läuft mittelfristig weiter. Der DAX fällt zwischenzeitlich in den Bereich der Juli-Hochs bei 6.700 - 6.800 Punkten um dann erneut über 7K anzusteigen. 10 %.
(3) Der Markt dreht - das Abwärts-Momentum wird aggressiver, wir sehen in diesem Herbst DAX-Kurse unter 6K. 45 %.
FAZIT: ENTWEDER, ODER! Wie bereits in den letzten Posts von mir beschrieben, trägt sich der Markt im Moment selber. Zwingende Bedingung für weiter steigende Kurse sind eben stabil steigende Kurse. In dieser auf Sand gebauten Konstruktion sind Korrekturen über mehrere Tage nach meiner Einschätzung nicht möglich. Darum müssen die Aktienindizes wieder zügig in die Spur finden (wie Freitag nachmittag angedeutet), ansonsten droht der Markt zu kippen - schließlich trägt der Kaiser doch gar keine neuen Kleider!
Sonntag, 19. August 2012
20. bis 24. August
DIESE WOCHE Nach einer blutleeren Handelswoche schafft der DAX den Sprung über 7.000 Punkte. Dabei gab es bis auf Freitag an jedem Handelstag der Woche einen kurzen Moment der Nervosität zu überstehen - das Ergebnis zu Wochenabschluß ist um so beeindruckender. Die Risikoaversion der Marktteilnehmer (viele sind es ja nicht dieser Tage) fällt kontinuierlich weiter. Schlechte News erhöhen die Chancen auf geldpolitische Lockerungen und werden damit zu guten News. Die Notenbanken stehen allerdings zunehmend unter Zugzwang: Sie müßen ihren großzügigen Ankündigungen bald Taten folgen lassen um die Börsen nicht zu enttäuschen. Am kommenden Mittwoch veröffentlicht die FED ihr letztes Sitzungsprotokoll - vielleicht erfahren wir dann bereits Konkretes, wann und in welchem Ausmaß der nächste Liquiditätsschub in den USA zu erwarten ist. In Europa scheinen immer mehr Protagonisten auf den lockeren Kurs des EZB-Präsidenten Draghi einzuschwenken, aber auch hier sind bisher keine konkreten Maßnahmen bekannt. Griechenland konnte letzte Woche der Zahlungsunfähigkeit nochmal so eben von der Kippe springen und braucht nach aktuellen Meldungen bereits wieder zügig weitere Milliarden um Haushaltslücken zu schliessen. Die Risiken in den Büchern spanischer Banken sind nach jüngsten Erkenntnissen weit höher als bislang befürchtet. An den Börsen überwiegt trotzdem Zuversicht: Alles kein Problem, Super-Mario wirds schon richten!
Diese Zuversicht muß man nicht teilen. Meine Haupt-Argumente dagegen sind:
(1) Die Probleme der Euro-Peripherie sind struktureller Natur. Erneute Anleihe-Käufe der EZB können darum in diesem Fall keine Probleme lösen, sondern lediglich deren Lösung hinauszögern. Das erste Anleihekaufprogramm der EZB ist dafür der beste Beweis.
(2) Neue Anleihekäufe wären ein fatales Beispiel für Moral Hazard: Sie schaffen falsche Anreize - unsolide Haushaltspolitik und maßlose Staatsverschuldung wird von der EZB subventioniert, solide Fiskalpolitik wird damit indirekt abgestraft.
(3) Die Spätfolgen der Liquiditätsschwemme sind unabsehbar. Unabsehbare Risiken OHNE Garantie auf Erfolg einzugehen, ist politischer Irrsinn.
Alle diese drei Punkte werden auch von Mitgliedern des EZB-Rats, u.a. der Deutschen Bundesbank, vertreten. Trotzdem setzen die Märkte aktuell zu 100-Prozent auf einen kompromißlosen Sieg Draghis in diesem Konflikt - woher diese Gewißheit kommt, bleibt mir rätselhaft.
MEINE STRATEGIE Halten wir uns an die Fakten: Der Markt steigt Woche für Woche und nichts spricht im Moment für eine abrupte Trendumkehr. Der September birgt viele Risiken und so wird bereits von zahlreichen Analysten vor zu großem Optimismus gewarnt - aus meiner Sicht ebenfalls kein schlechter Nährboden für weiter steigende Kurse. Aufgrund der fehlenden fundamentalen Basis dieser Ralley kann ich aktuell keine strategischen LongPositionen eingehen. Bevor ich aber einen Versuch auf der Short-Seite riskiere, möchte ich Schwäche sehn. Erste Indikation einer Abschwächung des AufwärtsMomentums: FDAX fällt unter 6.980 und kann dieses Level für mehrere Stunden nicht zurückerobern.
Diese Zuversicht muß man nicht teilen. Meine Haupt-Argumente dagegen sind:
(1) Die Probleme der Euro-Peripherie sind struktureller Natur. Erneute Anleihe-Käufe der EZB können darum in diesem Fall keine Probleme lösen, sondern lediglich deren Lösung hinauszögern. Das erste Anleihekaufprogramm der EZB ist dafür der beste Beweis.
(2) Neue Anleihekäufe wären ein fatales Beispiel für Moral Hazard: Sie schaffen falsche Anreize - unsolide Haushaltspolitik und maßlose Staatsverschuldung wird von der EZB subventioniert, solide Fiskalpolitik wird damit indirekt abgestraft.
(3) Die Spätfolgen der Liquiditätsschwemme sind unabsehbar. Unabsehbare Risiken OHNE Garantie auf Erfolg einzugehen, ist politischer Irrsinn.
Alle diese drei Punkte werden auch von Mitgliedern des EZB-Rats, u.a. der Deutschen Bundesbank, vertreten. Trotzdem setzen die Märkte aktuell zu 100-Prozent auf einen kompromißlosen Sieg Draghis in diesem Konflikt - woher diese Gewißheit kommt, bleibt mir rätselhaft.
MEINE STRATEGIE Halten wir uns an die Fakten: Der Markt steigt Woche für Woche und nichts spricht im Moment für eine abrupte Trendumkehr. Der September birgt viele Risiken und so wird bereits von zahlreichen Analysten vor zu großem Optimismus gewarnt - aus meiner Sicht ebenfalls kein schlechter Nährboden für weiter steigende Kurse. Aufgrund der fehlenden fundamentalen Basis dieser Ralley kann ich aktuell keine strategischen LongPositionen eingehen. Bevor ich aber einen Versuch auf der Short-Seite riskiere, möchte ich Schwäche sehn. Erste Indikation einer Abschwächung des AufwärtsMomentums: FDAX fällt unter 6.980 und kann dieses Level für mehrere Stunden nicht zurückerobern.
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